Univ.-Prof. Dr. Thomas Stulnig




Diabetes mellitus

Was ist Diabetes?

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist eine Erhöhung des Blutzuckerzuckerspiegels. 

Blutzuckermessgerät

Die Messung des Blutzuckerspiegels wird in der Regel nüchtern (nach wenigstens 8 Std. Nahrungskarenz) vorgenommen. Blutzuckerwerte ab 126 mg/dl weisen auf einen Diabetes hin, ab 100 mg/dl zeigen sie einen Prädiabetes auf. Für spezielle Fragestellungen (z.B. beim Schwangerschaftsdiabetes) wird ein Zuckerbelastungstest durchgeführt. Dabei müssen Sie eine Traubenzuckerlösung trinken, und der Blutzucker wird unmittelbar davor und 2 Std danach gemessen.

Seine große Bedeutung hat der Diabetes aufgrund seiner außerordentlichen gesundheitlichen Risiken.

Es gibt verschiedene Arten von Diabetes, sog. Diabetes Typen, die sich hinsichtlich der zu Grunde liegenden Ursachen, der gesundheitlichen Risiken und der Therapiemöglichkeiten grundsätzlich unterscheiden.

Nach oben

Welche Nahrungsmittel erhöhen den Blutzuckerspiegel?

Im Blut gibt es nur eine Art von Zucker, der Traubenzucker oder "Glukose" genannt wird. Glukose ist in vielen Zuckern (z.B. Rohrzucker, der in der Küche verwendet wird) enthalten und ist der Baustein von Stärke, die durch Getreide, Kartoffel, Reis und viele andere Nahrungsmittel aufgenommen wird. Zusammengefasst werden diese Nährstoffe als Kohlenhydrate bezeichnet. Kohlenhydrate bilden auch beim Diabetes-Patienten die Basis jeder Ernährung.

Nahrungsmittel

Die Aufnahme von Kohlenhydraten erhöht den Blutzuckerspiegel. Wie hoch der Blutzuckerspiegel steigt, hängt davon ab, wie schnell die Kohlenhydrate aus dem Darm aufgenommen werden: Zucker werden sehr schnell aufgenommen und bewirken eine rasche und ausgeprägte Erhöhung der Blutzuckerspiegels. Dagegen wird Stärke besonders aus Vollkornprodukten deutlich langsamer aufgenommen und hat eine deutlich geringere Auswirkung auf den Blutzuckerspiegel. Deshalb sollen Patienten mit Diabetes vor allem Vollkornprodukte zu sich nehmen und Zucker meiden. 

Wenn Sie zur Beratung ein Ernährungsprotokoll, d.h. eine detaillierte und komplette Aufstellung der von Ihnen  in den letzten Tagen konsumierten Nahrungsmittel mitbringen, kann Prof. Stulnig Sie optimal dahingehend beraten, wie Sie ihre persönlichen Ernährungsgewohnheiten dem Diabetes besser anpassen können. 

Nach oben

Welche Ursachen liegen dem Diabetes zu Grunde? Was bedeuten die verschiedenen Diabetes-Typen?

Es gibt drei häufige Typen des Diabetes mellitus, die sich grundsätzlich voneinander unterscheiden:

Typ 1 Diabetes beruht auf einer Abwehrreaktion des Immunsystems, die sich gegen körpereigene Insulin-produzierende Zellen richtet, die sich in der Bauchspeicheldrüse befinden. Der Typ 1 Diabetes beginnt meist plötzlich mit Harndrang, Durstgefühl, Gewichtsabnahme und kann bis zu Bewusstlosigkeit und Tod führen. Typ 1 Diabetes tritt vorwiegend bei Kindern bis hin zum jungen Erwachsenenalter auf, eine dem Typ 1 Diabetes sehr ähnliche Form, gibt es aber bis ins hohe Alter.

Typ 2 Diabetes gibt es im Wesentlichen nur im Zusammenhang mit der  Adipositas (Fettleibigkeit). Dabei steht die verminderte Insulinwirkung anfänglich im Vordergrund, später auch eine mangelnde Funktion der Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. In der Regel tritt Typ 2 Diabetes im mittleren und höheren Lebensalter auf, kommt aber auch bei adipösen Kindern vor.

Schwangerschaftsdiabetes wird ein gestörter Zuckerstoffwechsel genannt, der in der Schwangerschaft erstmals auftritt. Zur Diagnose ist meist ein Zuckerbelastungstest erforderlich, der routinemäßig in der 24.-28. Schwangerschaftswoche, d.h. etwa 6 Monate nach der letzten Regelblutung, durchgeführt wird. Schwangerschaftsdiabetes erhöht das Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft (Bluthochdruck, Kindstod) und während der Entbindung (durch zu große Kinder) und birgt  hohe Risiken für das Kind (Unterzuckerung, Verletzungen, Atemprobleme). Schwangerschafts­diabetes muss deshalb ernst genommen und entsprechend behandelt werden! 

Nach oben

Welche gesundheitlichen Risiken haben Patienten mit Diabetes?

Stark erhöhte Blutzuckerspiegel können akute Komplikationen auslösen, und über längere Zeiträume geringer erhöhte Blutzuckerspiegel bewirken ein sehr hohes Risiko für die gefürchteten Spätkomplikationen. Diabetes ist einer der wichtigsten Gründe für

  • Herz-Kreislauferkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall u.a.)
  • Nierenversagen
  • Blindheit
  • Amputationen.

Darüber hinaus ist der Schwangerschaftsdiabetes ein wesentlicher Grund für geburtshilfliche Komplikationen und Probleme beim Neugeborenen. 

Nach oben

Welche Möglichkeiten zur Behandlung von Diabetes gibt es?

Die Diabetes-Behandlung richtet sich nach dem zu Grunde liegenden Diabetes-Typ und Begleitfaktoren. Prinzipiell gibt es folgende Optionen:

Läufer

Lebensstilmodifikation: Diät und körperliche Bewegung sind für alle Diabetes-Typen in unterschiedlicher Weise von Bedeutung. Prof. Stulnig bespricht mit Ihnen, welche Form der Lebensstilmodifikation für Sie persönlich erfolgversprechend ist.

Tabletten

"Orale" Diabetestherapie bedeutet die Einnahme von Tabletten ("Antidiabetika") zur Behandlung des Diabetes. Diese Form der Therapie wird vor allem beim Typ 2 Diabetes angewandt. Eine Vielzahl grundsätzlich verschiedener Medikamente steht heute zur Verfügung und weitere sind in laufender Entwicklung. Die Auswahl der für Sie optimalen antidiabetischen Medikamente ist eine wesentliche Aufgabe der Diabetes-Behandlung.

Insulinpens

Insulin ist ein Eckstein der Therapie bei allen Diabetesformen. Eine große Auswahl an Insulinen und Therapieschemata steht heute zur Verfügung, um die Insulingabe optimal an den natürlichen Bedarf anzupassen. Prof. Stulnig bespricht mit Ihnen, ob eine Insulintherapie für Sie erforderlich ist, und welches Therapieschema die meisten Vorteile für Sie bietet. 

Seit kurzem gibt es neue Medikamente, die ähnlich wie Insulin unter die Haut gespritzt werden und neben einer deutlichen Verbesserung des Stoffwechsels auch die Gewichtsreduktion unterstützen.

Nach oben

Soll ich den Blutzucker selbst messen?

Die Selbstmessung des Blutzuckers ist bei Patienten mit Insulintherapie unbedingt erforderlich. Auch bei manchen Patienten mit Diabetes ohne Insulintherapie kann die Blutzuckerselbstmessung hilfreich sein. Prof. Stulnig bespricht mit Ihnen, ob und gegebenenfalls wie oft Sie den Blutzucker messen sollten. Gegebenenfalls erhalten Sie in der Ordination ein Blutzuckermessgerät und werden in seine Handhabung eingewiesen.

Nach oben

Was ist das "HbA1c"?

Das HbA1c ist das wichtigste Maß für die Langzeiteinstellung des Blutzuckers in den letzten 2-3 Monaten. Chemisch entspricht das HbA1c einem durch Zuckermoleküle veränderten roten Blutfarbstoff. Normalerweise liegt das HbA1c etwa zwischen 4 und 6%. Zielwerte bei der Behandlung des Diabetes werden individuell für Sie vereinbart und liegen meist bei <6,5% oder <7,0%.

Nach oben

Wie erfolgreich ist die Behandlung?

Große Studien haben gezeigt, dass die nahe-normale Blutzuckereinstellung das Auftreten von diabetischen Spätkomplikationen an Augen und Nieren weitgehend verhindern kann. Das gilt z.T. auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wobei für diese die gute Blutzuckereinstellung so früh wie möglich erfolgen sollte. Für die Verhinderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist es besonders wichtig, dass auch andere Risikofaktoren (Blutfette, Blutdruck u.a.) entsprechend behandelt werden.

Nach oben