Univ.-Prof. Dr. Thomas Stulnig




Schwangerschaft & Diabetes

Was bedeutet Schwangerschaftsdiabetes?

Schwangerschaftsbauch

Schwangerschaftsdiabetes wird ein gestörter Zuckerstoffwechsel genannt, der in der Schwangerschaft erstmals auftritt.

Zur Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes ist ein Zuckerbelastungstest erforderlich. 

Schwangerschaftsdiabetes erhöht das Risiko für Komplikationen für Mutter und Kind. Mögliche Komplikationen betreffen

  • die Schwangerschaft (Bluthochdruck, Kindstod)

  • die Entbindung (durch übermäßiges Wachstum des Kindes)

  • das neugeborene Kind (Unterzuckerung, Verletzungen, Atemprobleme). 

Schwangerschafts­diabetes muss deshalb ernst genommen und entsprechend behandelt werden! Zusätzlich haben Patientinnen, die einen Schwangerschaftsdiabetes hatten, ein sehr hohes Risiko, bei einer folgenden Schwangerschaft wieder einen Schwangerschaftsdiabetes und in den Jahren nach der Entbindung einen Typ 2 Diabetes zu bekommen.

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Wann soll ein Zuckerbelastungstest durchgeführt werden?

Ein Zuckerbelastungstest wird routinemäßig in der 24.-28. Schwangerschaftswoche, d.h. etwa 6 Monate nach der letzten Regelblutung, durchgeführt. Unter besonderen Umständen, kann eine Testung auch schon früher (oder auch später) erforderlich sein. Eine frühere Testung ist dann erforderlich, wenn ein besonders hohes Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes oder eine andere Zuckerstoffwechselstörung vorliegt. Dies ist z.B. der Fall,

 

  • Wenn Sie bereits in einer vorangegangenen Schwangerschaft einen Schwangerschaftsdiabetes hatten.

  • Wenn bei Ihnen "etwas erhöhte Blutzuckerwerte" aber noch kein Diabetes in der Vorgeschichte bekannt ist.

  • Wenn eines Ihrer Kinder bei der Geburt mehr als 4,5 kg wog.

  • Wenn bei einem Ihrer Kinder eine Fehlbildung angeboren war.

  • Wenn Sie eine Totgeburt oder wiederholt Fehlgeburten hatten.

  • Wenn Ihr Kind im Ultraschall besonders groß erscheint.

Wenn Sie Beschwerden haben, die auf einen Diabetes hinweisen; z.B. übermäßiger Harndrang/Durstgefühl, Zucker im Harn.

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Muss Schwangerschaftsdiabetes behandelt werden?

Schwangerschaftsdiabetes muss behandelt werden, um die Komplikationen für Mutter und Kind zu verhindern. Die Behandlung ist vorerst auf die Zeit der Schwangerschaft beschränkt und kann in vielen Fällen nach der Entbindung ausgesetzt oder zumindest deutlich vereinfacht werden. Für Ihr Kind ist die Behandlung aber von großer Bedeutung!

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Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Während der Schwangerschaft gibt es im Wesentlichen folgende Therapieoptionen:

  • In jedem Fall ist beim Schwangerschaftsdiabetes eine Ernährungstherapie erforderlich. Eine Gewichtsabnahme sollte aber unbedingt während der Schwangerschaft vermieden werden. Über die Do’s und Dont’s werden Sie ausführlich beraten.
  • Sofern die Schwangerschaft unkompliziert ist und von geburtshilflicher Seite kein Einwand besteht, ist eine mäßige körperliche Bewegung angeraten.
  • Eine Insulintherapie kann für die Zeit der Schwangerschaft ebenfalls notwendig werden. 

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Warum und wann muss ich Blutzucker selbst messen?

Blutzucker-Messung

Wenn Sie einen Schwangerschaftsdiabetes haben, ist die Blutzucker-Selbstmessung in den meisten Fällen erforderlich um die Stoffwechseleinstellung während der Schwangerschaft zu kontrollieren.

Während der Schwangerschaft sind nicht nur die Werte vor, sondern insbesondere auch die Werte nach der Mahlzeit von Bedeutung. Daher messen Sie den Blutzucker meist nüchtern, und jeweils eine Stunde nach den Hauptmahlzeiten. Die von Ihnen gemessenen Werte sind von großer Bedeutung, um beim nächsten Ordinationsbesuch die Behandlung optimieren zu können. Eine Blutzuckertabelle für Patientinnen mit Schwangerschaftsdiabetes können Sie hier herunterladen.

Um den Blutzucker zu messen, wird mit einem kleinen Gerät die Haut an der Fingerbeere geritzt und der austretende Blutstropfen in einen Messstreifen aufgenommen. Ein Blutzucker­messgerät samt Einschulung erhalten Sie in der Ordination.

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Was bedeutet eine Insulintherapie in der Schwangerschaft ganz praktisch?

Mit der Insulintherapie können Sie die Risiken für das Kind und die Entbindung deutlich reduzieren. In der Ordination werden Sie in alle Aspekte der Insulintherapie detailliert eingewiesen, so dass Sie sich in der Anwendung sicher fühlen.

Praktisch bedeutet die Insulintherapie, dass Sie mit Hilfe von sog. "Pens" Insulin unter die Haut spritzen. Meist spüren Sie den Stich kaum bis gar nicht.

Die einzige spürbare Nebenwirkung der Insulintherapie besteht in der Gefahr der Unterzuckerung. Anzeichen für eine Unterzuckerung können Heißhunger, Schwitzen, Herzklopfen, Schwäche u.a. sein. In solchen Situationen ist es hilfreich, wenn Sie den Blutzucker messen, um festzustellen, ob wirklich eine Unterzuckerung (Blutzucker kleiner als 60 mg/dl) vorliegt. In jedem Fall sollten Sie unverzüglich 1-2 Stück Traubenzucker oder ein halbes Glas Fruchtsaft trinken und beobachten, ob die Anzeichen innerhalb weniger Minuten verschwinden.

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Was muss ich bei der Entbindung hinsichtlich Schwangerschaftsdiabetes beachten?

Wenn regelmäßige Wehen einsetzen, sollten Sie kein Insulin mehr spritzen und Ihre Geburtsklinik unverzüglich aufsuchen. Bitte geben Sie dort bei der Ankunft Bescheid, dass Sie einen Schwangerschaftsdiabetes haben, damit alle erforderlichen Maßnahmen für Sie und Ihr Kind getroffen werden können. Unter anderem muss Ihr Blutzucker und der Ihres Kindes engmaschig überwacht werden. 

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Ist der Schwangerschaftsdiabetes nach der Entbindung vorbei?

Baby

Mit Ende der Schwangerschaft ist auch der Diabetes meist vorbei. Falls eine Insulintherapie in der Schwangerschaft erforderlich war, muss diese mit Einsetzen der Wehen abgesetzt werden. In den ersten Tagen nach der Entbindung sollten Sie aber den Blutzucker engmaschig vor den Mahlzeiten weiter messen, um auszuschließen, dass eine Zuckerstoffwechselstörung bestehen bleibt. Die Werte legen Sie Ihrem Diabetes-Arzt vor. Jedenfalls sollten Sie zwei bis drei Monate nach der Entbindung nochmals einen Zuckerbelastungstest durchführen und die Werte zur Kontrolle in die Ordination mitnehmen. Da Frauen, die einen Schwangerschaftsdiabetes hatten, ein sehr hohes Risiko haben, in späteren Jahren eine Typ 2 Diabetes zu entwickeln, sollten Sie unbedingt alle Vorsorgemaßnahmen (Diät, Bewegung) in Anspruch nehmen, um dies zu verhindern. 

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Ich habe Diabetes und möchte schwanger werden: Was muss ich tun?

Netzhaut

Schwangerschaften sollten bei Patientinnen mit Diabetes grundsätzlich geplant werden, damit die Schwangerschaft hinsichtlich Blutzuckereinstellung und Medikamentengabe vorbereitet werden kann. Eine Vorlaufzeit von wenigstens 2-3 Monaten vor dem ersten Versuch schwanger zu werden wäre optimal. In dieser Zeit ist neben einer gynäkologischen Untersuchung einiges zu tun:

  • Optimierung der Blutzuckereinstellung. Für eine sichere Schwangerschaft gelten deutlich strengere Blutzuckerziele. Außerdem dürfen in der Schwangerschaft nicht alle verfügbaren Insulinpräparate angewandt werden.*

  • Feststellung eventueller Begleit- und Folgeerkrankungen, die unbehandelt in der Schwangerschaft gefährlich werden könnten.*

  • Untersuchung der Schilddrüsenfunktion.*

  • Kontrolle des Blutdrucks. Bei vorhandenem Bluthochdruck erfordert die Schwangerschaft meist eine Umstellung der Medikation.*

  • Augenärztliche Untersuchung. Ev. sollten bereits vorhandene diabetes-typische Veränderungen  behandelt werden, um einem Fortschreiten in der Schwangerschaft vorzubeugen. {link zu Google Augenarzt/Wien?}

  • Rauchen sollte unbedingt während der Schwangerschaft und Stillzeit eingestellt werden.

* Prof. Stulnig berät Sie in diesen Punkten.

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Bei mir war bereits vor der Empfängnis ein Diabetes bekannt: Was muss ich tun?

Wenn es einfach "passiert" ist:  Suchen Sie unverzüglich eine Diabetes-Ambulanz oder einen Facharzt für Innere Medizin, der für Diabetes spezialisiert ist, auf, damit die erforderlichen Untersuchungen und Therapieumstellungen unmittelbar vorgenommen werden können (siehe Ich habe Diabetes und möchte schwanger werden: Was muss ich tun?).

Prof. Stulnig übernimmt gerne die Behandlung des Diabetes in Schwangerschaft und plant mit Ihnen das Vorgehen um die Entbindung. Außerdem weist Sie Prof. Stulnig nach Notwendigkeit anderen Spezialisten zu (z.B. Augenarzt mit Erfahrung im Diabetes). Natürlich suchen Sie auch unverzüglich den Frauenarzt Ihres Vertrauens auf, um die geburtshilflichen Aspekte zu untersuchen und möglichen Komplikationen bestmöglich vorzubeugen.

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